Ankern ... im Arbeitsalltag

Ankern ... im Arbeitsalltag

Die einfachsten Techniken sind oft die wirkungsvollsten!

Im März 2011 habe ich mir einen neuen Stuhl für meinen Schreibtisch geleistet. Da ich an meinem Schreibtisch sehr, sehr viel Zeit verbringe habe ich ihn mir über die Jahre sehr gut eingerichtet: Eine riesengroße Schreibtischplatte die über die Ecke geht, zwei Monitore, die größten, die ich kriegen konnte, hin und wieder stehen gleich zwei Rechner unter´m Schreibtisch, einfach per Knopfdruck umschaltbar mit derselben Tastatur und beiden Monitoren. Es ist ein wirklich sehr bequemes Arbeiten und Anfang 2011 war es eben Zeit für mich, auch einen wirklich guten Schreibtischstuhl anzuschaffen.

 

Nach kurzer Recherche fiel meine Wahl auf Ergohuman. Ein ausgezeichneter Stuhl, so ziemlich der beste, den ich finden konnte, und mit damals noch knapp unter 500 Euro gar nicht mal so teuer. Hey, ich meine ... andere kaufen sich Autos für 40.000 Euro auf Pump, und ich sitze sicherlich mehr an meinem Schreibtisch als im Auto. Also ... her damit, gekauft, bekommen, aufgebaut, reingesetzt und .. wow! Der Stuhl ist wirklich klasse.

Mit einem Mal war der Schreibtisch der mit Abstand bequemste Platz in meiner Wohnung. Sogar bequemer als mein Sofa. Bequemer als am Esstisch sowieso. Der Schreibtischplatz war klasse! Selbst wenn ich nicht gearbeitet habe, sondern etwas Ferngesehen, ein bißchen gespielt, ich saß lieber am Schreibtisch als irgendwo anders in meiner Wohnung. Der Stuhl ist wirklich ein Traum.

Um zu verstehen, wieso ich angefangen habe, mich auch beim Fernsehen in den Stuhl zu setzen, musst Du einfach das Bild rechts betrachten: Die Lehne lässt sich hervorragend nach hinten stellen, keine Fummelarbeit sondern einen kleinen Hebel ziehen und zurücklehnen, schon passt das ganze. Der Kopf hat eine tolle Stütze, der ganze Rücken liegt auf dem "Netz", was links ganz gut zu erkennen ist, wirkich ein ganz hervorragender Stuhl.

Über die Monate habe ich es mir also immer bequemer gemacht in dem Stuhl. Beim Telefonieren, beim Spielen (am PC), beim Fernsehen wie schon gesagt, selbst beim Essen saß ich manchmal lieber auf diesem Stuhl als am Esstisch. Es ist schon toll, so einen Stuhl zu haben.

Was hat das nun mit NLP zu tun, und mit dem Ankern? Im Sommer habe ich festgestellt, ich werde immer unproduktiver. Immer fauler. Habe ich eine gute Idee, habe ich etwas zu tun, dann bin ich voll motiviert an den Rechner gegangen, habe mich hingesetzt und ... erst einmal eine Runde gefaulenzt. Ich habe mal kurz den Fernseher angemacht, vielleicht noch eine Runde Starcraft II gezockt oder sogar Hunger bekommen ... kaum saß ich auf dem Stuhl hatte ich auf alles Lust, nur nicht auf arbeiten. Das hat eine ganze Weile gedauert, bis mir das klar wurde, und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich habe den Stuhl eineinhalb Jahre lang auf "entspannen" und "faullenzen" geankert!

So banal ist es, so unglaublich effektiv, und so leicht zu übersehen. Der Stuhl hat sämtliche Anker des "nicht-arbeitens" abgekommen, und jedesmal, wenn ich dem nachgegeben habe, hat sich dieser Anker noch weiter verstärkt. Ich habe das ganz banal ausprobiert: Mit dem Notebook auf´s Sofa ... und da war sie wieder, die Motivation, die Produktivität. Auf dem Sofa habe ich dann gleich einen ganzen Tag lang Mails beantwortet ... auf dem Stuhl hat das schon seit Wochen nicht mehr geklappt. Schon komisch, gell?

Dennoch ... den Stuhl trifft natürlich keine Schuld. Und nachdem ich es erst einmal wusste war es auch ganz einfach, diesen Anker wieder loszuwerden. Ich habe mir einfach angewöhnt, immer wenn ich mich in diesen Stuhl setze als allererstes mindestens eine produktive Sache zu machen. Das kann einfach das Beantworten einer eMail sein, ein Brief, den ich noch schreiben will, oder ein ausstehendes Telefonat. Vielleicht sogar nur eine Überweisung oder eine Rechnung, die noch eingetragen werden muß. Ganz egal, was es ist ... es ging nur darum, den Stuhl nicht mehr weiter mit dem Muster "hinsetzen, ausruhen" zu belegen sondern die Strategie "hinsetzen, arbeiten" draus zu machen. Und, es klappt hervorragend.

Es sind oft die ganz kleinen Bausteine des NLP, die ungeheuer subtilen Einfluß auf unser Leben haben. Und die sich, wenn wir sie einmal erkennen, hervorragend nutzen lassen. So auch dieser Beitrag: Inzwischen ist der Stuhl so stark auf "produktiv arbeiten" geankert, daß ich mich hingesetzt habe um einen Moment auszuruhen (und eine neue Folge Two and a half men anzugucken), und die Folge gar nicht so recht wahrgenommen habe sondern irgend etwas tun wollte. Das Ergebnis ist ... dieser Blog-Beitrag. ;-)

Alles Liebe,
Julian Wolf
NLP Master-Trainer

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