Die Struktur und ein Geheimnis um vor 1.500 Menschen zu reden?

Die Struktur und ein Geheimnis um vor 1.500 Menschen zu reden?

Seit 60 Minuten warte ich vor dem Theater auf den Beginn der Vorstellung. Ich habe keine Ahnung wer es ist, um was es geht, geschweige denn wie lange es geht. Julian und Nana begleiten mich, einer weiß um was es geht, die andere auch nicht.
Interessiert beobachte ich wie Menschen über Menschen den Saal füllen. Es scheint nicht aufzuhören und es geht weiter. Irgendwoher höre ich „Über 1.500 Menschen.“ Aber keiner erwähnt den Namen. Nicht mal ob es eine Band ist, ein Redner oder etwas völlig anderes.'
Nicht mal die Art des Publikum verrät auch nur den Hauch einer Ahnung. Einfach bunt gemischt. Von jung bis alt ist anscheinend alles in irgendeiner Form vorhanden. Aber nichts das mir eine Idee schenkt um was es in dieser Vorstellung geht.

Meine Gedanken kreisen Lebhaft: „Hmmm … so viele Menschen, dann ist er oder sie auf jeden Fall interessant und die Vorstellung wird interessant.“ Ich weiß jetzt noch nicht, das dass kommende alle Erwartungen bei weitem Übertrifft.

Als ich endlich im Saal sitze und mein Blick über die Menschenmassen fliegt, landet er sanft auf der Bühne. Nur ein paar Putzlappen, ein paar Bananen auf einem Piano und ein Bürostuhl.

 

Nach paar weiteren Minuten betritt ein unscheinbarer, großer Mann die Bühne und es geht endlich los. Noch habe ich keine Ahnung wer das ist und er setzt sich gemütlich auf den Stuhl. „Na, Guten Abend.“ „Was machen Sie denn hier.“

Die Einstiegsworte beginnen sehr ruhig und ich frage mich schon was das wohl für ein Typ ist. Er redet über anscheinend sinnloses, bis ich mich nach zwei hochinteressanten Stunden überrascht frage, wohin die Zeit geflogen ist. Ich war so tief im Geschehen wie schon lange nicht mehr und der zweite Teil sollte noch interessanter werden.

Die Rede ist von Hagen Rether.

Er hat ein sehr interessantes Bühnenkonzept und gleichwohl eine atemberaubende Art zu erzählen, während er hochsensible Gesellschaftsthemen mit Leichtigkeit anstößt. Die Inhalte findet jeder im Netz oder in einer Vorstellung, weil hier geht es mir besonders um seine Bühnenperformance.

Der Kabarettist steigt grundsätzlich sehr ruhig ein, d.h. er sagt erstmals nichts, dann nur Belanglosigkeiten und um anschließend mit angenehmer Direktheit einen sehr interessanten Sog aufzubauen. Bereits am Beginn macht er einen Pointer in die zweite Hälfte, der gleichzeitig bereits am Anfang den Höhepunkt der vierstündigen Rede ankündigt. Mit einer angenehmen Stimme erinnert er mich an einen guten Freund, der Ruhe und gleichwohl eine angenehme Art ausstrahlt.

 

Eine Struktur um vor 1.500 Menschen zu reden

 

  1. Kontakt aufbauen. Ein paar Sekunden sitzen und in das Publikum schauen.

  2. Belanglosigkeiten“ ansprechen (Hallo, Schöner Abend heute, Was machen Sie denn hier)

  3. Ins Reden kommen

  4. Einige lustige Geschichten die anecken aber lachend präsentiert werden

  5. In hochemotionale Themen reingehen (Langeweile, Schule, Schulsystem, Antriebslosigkeit, Verschlafen, Politik, Religion, Massenschlachterei, Ernährung, Paradoxe Gedanken)
    Diese und noch viel mehr Themen hat er sehr direkt angesprochen, angestoßen und teilweise Anregungen gegeben was getan werden kann. In meiner Wahrnehmung ging es ihm dabei mehr um das anstoßen und bewusstmachen welche paradoxen Weltmodelle Menschen „vorgelogen“ werden und wie verzweifelnd viele Gedankenkonstrukte sind.

  6. Mit einer überraschenden Situation rausgehen. In der Pause (nach 2 Std.) und in das Ende ist er jeweils mit einem Lied am Piano gegangen.

  7. Das Wichtigste:  Ständiger Kontakt mit dem Publikum.

    Hagen nimmt Einwürfe aus dem Publikum auf, spricht umfallende Flaschen und Gläser indirekt an und lenkt ständig die Aufmerksamkeit zurück auf sich und sein Thema.
    Er spricht sofort an, wenn seine Gedanken woanders sind, sodass das Publikum ständig weiß wo er sich gerade bewegt (z.B. nach der Pause lag ein Brief auf der Bühne. Einfach angesprochen, nachgefragt von wem der Brief ist und gesagt das er ihn später ließt, ein kurzer Dank und zurück in sein Thema. Dabei ist er sehr ruhig geblieben.)

 

Ein Geheimnis?

Ich hatte in jedem Moment das Gefühl das er weiß was er macht und den Abend so lenkt wie er ihn haben will. Eingeschlossen die Aufmerksamkeit, den Fokus und die Gedanken der Menschen. In meinem Gefühl war in dem Saal nur der Aufmerksamkeitsrahmen und die Gedanken den er angestoßen hat und alles was damit zu tun hat.

 

Alles Liebe,
Chris

 

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