Wer pleite ist ... ist selber Schuld!

Wer pleite ist ... ist selber Schuld!

Da haben wir wieder so einen Erfolgsapostel. Gestern las ich bei Facebook einige dieser unglaublichen Vereinfachungen: Kaufe unser Produkt und all Deine (Geld-) Probleme lösen sich auf. Da wurde mit Solchen Sätzen um sich geworfen:

Es ist erwiesen, dass umso weniger wer Geld verdient oder besitzt, umso mehr hat derjenige eine Abneigung gegen das Wort Wohlstand oder Beratung.


Mir läuft´s bei solchen Pauschalaussagen immer kalt den Rücken runter: Es ist erwiesen? Sprachlich hat das ja fast keien Aussage: Wer hat es erwiesen? Wie wurde es erwiesen? Und könnte es nicht auch sein, daß die Menschen, die in unserer Gesellschaft nun wirklich benachteiligt werden, Ihre Abneigung genau deswegen aufgebaut haben? Was war zuerst, der fehlende Wohlstand oder die Abneigung? Henne oder Ei?

Aber noch einmal konkret: Worum geht es? Es ist die Firma von Aragon Adon, die sich als "Deutsche Wohlstands-Beratung" bezeichnet und Menschen beibringen will, wie man zu Wohlstand kommt. Nicht ohne eine gewisse überheblichkeit, Kritiker werden gerne als Spielverderber ausgegrenzt und fehlender Reichtung als "selbst schuld" bezeichnet.


150.000,- in 25 Jahren "aus dem Nichts" ohne zusätzlichen Aufwand ist die "kleine Magic" für den kleinen Mann (w/m). Machen wir auch sehr gerne, aber die mit dem wenigsten Einkommen wehren sich oftmals am meisten gegen ihren Wohlstand. Das zwingt uns zu denen zu gehen, die uns ganz freudig empfangen.


Was mich daran vor allem geärgert hat ist die Pauschalierung. Während ich zwar übereinstimme, daß es viele Menschen mit entsprechenden Selbst-Sabotage-Stragegien in Sachen "Geld-verdienen" gibt habe ich die Erfahrung gemacht, daß gerade die Such nach dem vielen Geld sich in Wohlgefallen auflöst, wenn man die Absichten hinterfragt und Menschen näher zu Ihren Werten bringt: Kommt jemand näher an den Kern seines lebens, dann wird sein "Geld-Bedürfnis" meist deutlich kleiner ... und dennoch steigt das Einkommen. Geld sehe ich also nicht als "das ultimative Ziel" sondern eher als den Gradmesser: Wer nur auf das Thermometer start und darauf hofft, daß es über 30° steigt ... der versäumt den Frühling. Und, wenn er besonders stark fixiert ist, dann freut er sich am Ende nicht über die Sonne im Sommer, sondern über den Thermometerstand.

Dennoch gibt es in diesem Land einige gewaltig unterbezahlte Berufe. Allen voran, meiner Meinung nach, die Kindergärtnerinnen. Die frühkindlichen Prägungen gehören sicherlich zu dem Wichtigsten, was im Leben eines Menschen passiert, und genau hier werden Menschen, die aus Überzeugung in diesen Bereichen arbeiten, mit einem Taschengeld abgespeist, das mir persönlich die Schamesröte in´s Gesicht treibt.

Doch es geht weiter durch fast alle Sozialberufe: Krankenpflege, Altenpflege, Schule, Erziehung ... überall da empfinde ich es als respektslos, den Menschen, die so viel tun, ständig überfordert sind, und die praktisch keine Chance haben, Ihr Einkommen auf ein erträgliches Maß zu steigern, all den Menschen zu unterstellen, sie hätten "negative Glaubenssätze über´s Geld".

Woher kommt denn die schlechte Bezahlung? Von der Lobbyarbeit der Geldmacher! Für einen Bänker, der nur auf Zahlen konzentriert nicht merkt, daß er in Griechenland eine Krise verursacht oder dessen Hirn nicht in der Lage ist, zu kapieren, daß seine "Geldmaschine" bei der Spekulation auf Nahrung nicht nur seinen Gewinn, sondern auch Hungersnöte in anderen Teilen der Welt auslöst, für den ist das Einkommen einer Kindergärtnerin indiskutabel. Und wenn wir unsere Kinder weiter so erziehen, dann haben wir sicherlich viel mehr Kinder, die selbst Spekulatnen werden wollen, als Kindergärtnerinnen.

Es ist ein Hohn, wenn diese Spekulanten und die "Wichtigtuer in Sachen Geld" dann nichts weiter zu tun haben als zu behaupten, jeder wäre an seiner Situation selbst schuld. Das ist der Bereich der Pseudo-Veränderungs-Trainer, die noch nicht verstanden haben, daß ein Mensch einerseits natürlich für sich selbst verantwortlich ist, andererseits aber auch stets ein Rudeltier ist, welches "innerhalb eines Systems" existiert. Die Kontextpsychologie ist das. So würde ich dann gerne mal einen dieser Erfolgstrainer in einer Location wie Guantanamo Bay platzieren und Ihm während einer Folter-Session in´s Ohr säuseln, daß es ja nur seine innere Einstellung ist ...

Was dieser Mann aufgezählt hat ist, wie so oft, eben nur die halbe Wahrheit. Es ist der Blick auf die Selbstverantwortung (das ist die richtige Hälfte) und die Ignoranz vor dem kompletten System (die fehlende Hälfte).

Interessanterweise merkt man dann immer wieder ganz deutlich, wie massive Abwehrstrategien hochgehen, wenn man an treffenden Stellen kritisiert. Denn was folgte auf meine Kritik? Hier ein Zitat:

Es ist nur interessant, dass ein vermeintlich erfolgreicher NLP Trainer wie Julian, das "Opfer" raushängen lässt, ein "Problem" mit Verkauf hat (wie viele erfolglose Menschen ohne Geld, über anscheinend eine versteckte Geldblockade verfügt (die er gerne weiter projiziert an Kunden - der Klassiker) und der solch niveau- und hirnlosen Beiträge liefert (was hier bei Facebook wahrlich nicht das erste Mal ist, wie ich woanders beobachtet habe und was auf ein unbearbeitetes Wut-Problem schließt).

Wie bitte? Ich bin also ein "vermeintlich erfolgreicher NLP-Trainer", ich hätte mich als "Opfer" dargestellt und ich hätte ein "Problem" mit Verkauf? Und mein Beitrag ist "niveau- und hirnlos"? Und ich habe ein "Wut-Problem"? Die Neurologischen Ebenen lassen grüßen: Wir bewegen uns im Bereich der Werte und Glaubenssätze, der "Wohlstands-Verkäufer" greift lieber eines höher, auf der Ebene der Identität an. Es ist ein Klassiker der Abwehr: Einmal die neurologischen Ebenen rauf!

Doch das Spiel hat er gleichzeitig beendet, denn unten dran steht:

Und damit wir alle nie wieder so der Abfalleimer für seine problematische "Gefühls"- und "Glaubenssatz"-Welt werden müssen, sage ich Dir jetzt:
"Bye, bye, Julian!"


Allzu fit bin ich nicht bei Facebook, aber anscheinend hat er mich blockiert. Jedenfalls kann ich seine Beiträge nicht mehr kommentieren. Ich greife mir dagegen an den Kopf ... verabschiedet wurde ich mit der Henry-Ford-Floskel und dem Verweis auf Selbsterfüllende Prophezeihungen: Jeder beweist sich nur, daß er Recht hat in dem, was er glaubt.

Warum nur sind immer die Menschen, die am marktschreierischsten irgendwelche Dinge versprechen, auch gleichzeitig die, die sich jeder handfesten Diskussion entziehen und Kritik stets mit altklugen Sprüchen anstatt mit wirklichen Argumenten begegnen?

Ich meinerseits setze mein Geld definitiv lieber auf Kindergärtnerinnen als auf Realitätsfremde Wohlstandsversprechungen. Diese Illusionsblase hat ja auch in Griechenland nicht geklappt. ;-)

Alles Liebe,
Julian Wolf
NLP Master-Trainer

 

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