Loslassen ... und manchmal wiederbekommen

Loslassen ... und manchmal wiederbekommen

Das mit dem Loslassen ist ja so eine Sache: Shades hat sich geradezu unmerklich fest in meinem Leben verankert. So richtig aufgefallen ist mir das vor ca. drei Wochen, als er bei einem nächtlichen Spaziergang einen Hasen auf´s Korn nahm, daraufhin einen zweiten "Anschlußhasen" fand und aufeinmal ... weg war. Ganz egal wie rational man so etwas betrachten kann ... 10 Minuten im dunklen nach dem Hund zu suchen, aber an sich genau wissend, daß er schon freiwillig kommen muß, das ist eine Ewigkeit!

Da kam er dann, lächelnd und Schwanzwedelnd, als wäre nichts passiert. Und ich habe Ihn wohl eine Woche lang kaum mehr als 10 Meter von mir weggelassen. Unglaublich, wie sehr ich Ihn in den 10 Minuten vermisst habe, die er "weg" war.

Heute ging es mir an einer ganz anderen Stelle ähnlich: Beim Umstecken und Daten-Kopieren passierte es: Ich vertauschte vier Festplatten in einem RAID-Verbund. Leider habe ich das ein paar Minuten zu spät bemerkt: 8 Terrabyte Daten waren weg: Unbearbeitete Videos von vielen Seminaren, tausende von Fotos, sowohl persönliche als auch Berufliche, einfach unglaublich viel!

Und so kamen sie dann, die berühmten Phasen. Verleugnung, Hoffnung, Resignation und vieles mehr. Die Reihenfolge weiß ich nicht mehr. Mit viel Mühe und Not habe ich es dann geschafft: Fast alles lässt sich rekonstruieren. Es sind schier unendliche Datenmengen, die ich nun sortieren und wieder zuordnen muß, doch es scheint fast nichts verloren zu sein.

Während also mein Rechner wohl mindestens noch drei Tage mit dem Rekonstruieren der Daten beschäftigt habe ich schon angefangen, sie zu sortieren. Und, man höre und staune, sie AUSzusortieren. Es hat so vieles "an mir drangehangen" und es ist so befreiend, Dinge loszulassen, die seit Jahren im Hinterkopf sind.

Es gibt diesen schönen Spruch "Wir besitzen nur, was wir gebrauchen", bei dem ich mich schon lange frage, ob die Ambiguität darin Absicht ist. Doch der Satz lässt sich auch sehr schön umdrehen: Was wir besitzen, ohne es zu gebrauchen, belastet uns! In manchen Fällen mag das sinnvoll sein: Eine Schwimmweste im Flugzeug "besitzen" wir, und wenn alles gut geht, dann werden wir sie nicht "gebrauchen". Doch nach dem Flug lassen wir sie auch gleich wieder los: Sie bleibt im Flugzeug, weil wenn wir das nächste Mal fliegen, so wird wieder eine da sein.

Da funktioniert es also, etwas für kurze Zeit zu "besitzen", und dann wieder loszulassen, darauf vertrauend, daß es zurückkommt, wenn wir es wieder brauchen. Ein spannendes Spiel, denn das bedeutet nun für mich: Endlich die Videos aufarbeiten, die Fotos sortieren, die Musikdatenbank auszumisten und alles zu löschen, was ich nicht höre. Wenn ich es behalte ... belastet es mich.

Glücklicherweise "belastet" mich Shades nicht, sondern erinnert mich jeden Tag daran, wenn ich mich nicht genügend mit Ihm beschäftige. Und dann, wenn er zufrieden ist, entspannt er ganz brav, beobachtet mich und ich fühle mich wohl dabei, den ganzen Tag in seinem Fokus zu sein. Vielleicht ist es ja für Hunde so ähnlich, denn mir scheint, es würde Ihm auch schwerfallen, mich loszulassen. Glücklicherweise will ich das gar nicht, und so braucht keiner von uns mit dem Festhalten anzufangen. ;-)

Alles Liebe, Julian!

 

 

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