Das erste eigene Seminar - ein Leitfaden

30 Jun 2014 23:54
Mark Oswald
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Das erste eigene Seminar - ein Leitfaden #1
Hallo Zusammen!

Wenn ich mich mit Menschen unterhalte die gerne Trainer werden wollen, gibt es immer wieder ein Thema, dass wie eine riesiger Berg auf dem Weg zum Erfolg zu stehen scheint:

Das erste eigene Seminar.

Für mich persönlich war mein erstes eigenes Seminar ein absoluter Meilenstein, weil ich dabei zum ersten die Referenz sammeln durfte wie es ist, vor anderen Menschen als Trainer zu stehen und Ihnen Inhalte näher zu bringen. Davor war Seminare halten ein absolutes Angstthema, danach hab ich mich gefühlt als wäre ich um 100kg Ballast leichter geworden.

Und weil ich das so ist, möchte ich meine Erfahrung jetzt mit euch in einem praktischen Leitfaden teilen, an dessen Ende jeder das nötige Grundwissen hat, um sein erstes eigenes Seminar oder Übungstreffen zu halten.

1. Die innere Einstellung
Eines der größten Hindernisse auf diesem Weg halte ich den eigenen Kopf. Als in mir zum ersten mal der Gedanke hochkam ein eigenes Seminar zu halten, haben sich sofort viele innere Stimmen gemeldet die meinten:
"Du kannst nicht einfach ein Seminar halten!" "Du bist nicht gut genug" "Wer soll denn kommen?" "Was willst du denen denn erzählen?" "Wie kannst du es wagen dich als jemand der lehren will vor andere Leute zu stellen, die viel mehr Lebenserfahrung haben wie du? "Die werden dich doch auslachen und mit Eiern bewerfen und dich danach auf dem Scheiterhaufen mit Benzin übergießen und...."
Naja, dass meine Teilnehmer (wenn ich denn welche bekommen sollte) mich für ein schlechtes Seminar verbrennen wollen ist wohl eher unrealistisch. Aber die anderen Einwände hatten durchaus ihre Wirkung auf mich. Woher sollte ich denn wissen, ob ich gut genug bin? Woher soll ich die Sicherheit bekommen, mich als jemand der anderen etwas erzählen möchte hinzustellen?

Nun, die Wahrheit ist: Ich wusste es nicht. Meine innere Stimme hat mich damals ziemlich zur Verzweiflung getrieben. Ich kannte leider noch kein NLP, wusste noch nichts darüber, dass ich mir Ruhe und Vertrauen einfach Anker kann, wusste nicht, dass ich meine innere Stimme selbst kontrolliere, wusste noch nicht wie ich Glaubenssätze ändere. Und ich hatte keinen pool an NLP´lern, Trainern oder anderen Ressourcen, die mir hätten zur Seite stehen können.

Also hab ich mir einfach die Frage gestellt:
Was ist das allerschlimmste, was überhaupt passieren könnte?

Und meine Antwort war:
Eigentlich nichts. Ein scheitern bedroht weder mein Leben, noch meine Zukunft. Es ist einfach nur eine wertvolle Erfahrung und Lektion darin, wie ich es nicht machen sollte. Fertig. Klar, es könnten keine Teilnehmer kommen oder die Teilnehmer könnten total enttäuscht gehen - aber wie wahrscheinlich ist das schon?

Es gibt also letzten Endes nichts was mir passieren könnte, außer ein ankratzen meines Egos. Ich muss mich meinen Ängsten konfrontieren, muss vielleicht ein paar Euro in einen Seminarraum investieren und mir die Zeit dafür nehmen.
Und im schlimmsten Fall, im allerschlimmsten Fall sammle ich einfach nur eine Erfahrung.

Tim Ferriss, bestsellerautor der 4-Stunden-Arbeitswoche hat in seiner Jugend das Geld von 2 Jahren Ferienjobs in eine Hörbüchproduktion gesteckt und davon nicht ein Exemplar verkauft. Sein Fazit daraus? "Ich habe gelernt dass ich kein Produkt ohne vorherige Marktanalyse kreiren sollte".
Was aus ihm geworden ist weil er weiter gemacht hat ist allgemein bekannt. Hust. Millionär. Hust. Bestsellerautor. Hust. Businesskorriphäe. Hust.

2. Vorbereitung und Inhalte

Du hast dich also entschieden ein eigenes Seminar zu halten. Du hast dich mit deinen Ängsten auseinandergesetzt, hast diese betrachtet und vielleicht sogar schon gelöst, hast möglicherweise ein paar Freunde die dich motivieren wenn du mal strauchelst und stehst gewissermaßen bereit in den Startlöchern?

Dann ist es Zeit, sich mit dem Inhalt zu beschäftigen.

Was möchtest du denn gern vermitteln? Was sollen deine Teilnehmer wissen oder können, wenn sie den Seminarraum verlassen?
Ich empfehle dir, ein kleines, kompaktes Thema zu wählen, dass leicht zu vermitteln und erlernen ist und einen konkreten Mehrwert im Alltag liefert. Ein gutes Beispiel wäre Ankern - In 3 Stunden kann man einer Gruppe entspannt beibringen einen Gute-Gefühle Anker zu setzen. Ein paar Geschichten, wo Ankern im Alltag vorkommt (Rote Ampel, Schulgong, Stimmlage der Mutter beim schimpfen), eine Geschichte davon wie der gute Pawolow von seinen Hunden konditioniert wurde immer eine Notiz zu machen wenn sie sabbern und noch eine logische Erklärung, wie das Gehirn eine Reiz-Reflex-Verbindung aufbaut und fertig ist ein simpler und effektiver Erzählteil. Dann eine einfache Übung (Lass dein Gegenüber sich an seine letzte schöne Erfahrung erinnern und drück ihm aufs Knie) und fertig ist ein grundsimples Seminar zum Thema Ankern.

Um das ganze jetzt noch in ein klares Modell zu packen:
Schritt 1: Überlege dir, welche Themen du vermitteln möchtest (Name)
Schritt 2: Überlege dir, was du beim jeweiligen Thema erreichen möchtest (Wirkung)
Schritt 3: Überlege dir, was du zum jeweiligen Thema erzählen möchtest (Geschichte)
Schritt 4: Überlege dir, welche Übung du zum jeweiligen Thema machen möchtest (Übung)
Schritt 5: Überlege dir, welchen Zeitlichen Rahmen du spannen möchtest (Zeit)

Ich empfehle dafür die Tabellenform. Sieht konkret dann so aus:
Name Wirkung Geschichte Übung Zeit
Gefühle elizitieren Lernen, Gefühle zu machen Erinnerung an Urlaub Elizitieren 1 Stunde
Ankern Ankern lernen Stimme der Mutter Ankern 2 Stunden

Fertig. Wie präzise du jeden einzelnen Punkt ausarbeitest und wie sehr du die Inhalte auf dich zukommen lassen möchtest sei dir selbst überlassen. In jedem Fall hast du damit eine systematische Grundstruktur, auf dessen Basis du ein ordentliches Seminar planen kannst.

Ich empfehle dir, deine Geschichten vor dem Spiegel oder vor der Familie zu üben. Meine Geschichten werden erst richtig gut, wenn ich sie 4-5x erzählt habe.

Schritt 3: Kunden
Marketing und Kundengewinnung, welch wunderbares Thema. Mich kennt niemand, niemand weiß dass ich Trainer sein möchte, ich habe keine Referenzen und vielleicht sogar keine Ausbildung also WER ZUM TEUFEL SOLL ZU MEINEM SEMINAR KOMMEN??????

Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Puh, schwere Kost, aber da selbst Leberkäs verdaut werden kann muss das ja auch zu schaffen sein.

Ich liste jetzt einfach ein paar potentielle Teilnehmerquellen auf, welche davon dich ansprichst musst du selbst entscheiden. Es gilt: Probieren geht über Studieren

1. Freunde und Freundesfreunde
Vorteil: Sind bereits in Reichweite. Sagen oft zu, wenn du sie um diesen Gefallen bittest.
Nachteil: Feedback ist möglicherweise nicht so ehrlich, könnten Probleme damit haben dich als Trainer zu sehen.

2. Interessengemeinschaften
Vorteile: Sind für jedes Thema en Mass vorhanden. Toastmasters, Pickup-Lairs, Übungsgruppen, Vereine, Lauftreffs, Stammtische... Ich habe meine ersten Seminarteilnehmer aus Pickup-Lairs generiert. Haben bei gleichen Interessen gleich einen gemeinsamen Nenner mit dir.
Nachteile: Nicht alle sind offen für Seminarangebote

3. Fremde
Vorteile: Möglicherweise triffst du sie nie wieder
Nachteile: Akquise kostet in der Regel Geld und Zeit

Für das erste Seminar solltest du daraus mit etwas Mühe 3-5 Teilnehmer gewinnen können, vielleicht sogar mehr. Jeder einzelne ist ein Erfolg für dich, konzentriere dich besser auf die die kommen als die die nicht kommen.

Trau dich einfach, auf Leute zuzugehen. Trainer ist ein sehr kommunikativer Beruf und Akquise ist ein tolles Feld, um Kommunikation zu üben. Sei dir nicht zu fein anfangs Freunde um eine Teilnahme zu bitten - es geht im ersten Seminar Hauptsächlich darum, dir eine Referenz zu schaffen dass du das kannst - und das geht anfangs auch mit Freunden.

4. Dauer und Preis
Dauer:
Ich empfehle anfangs eine Dauer von 2-5 Stunden. Du stellst dich in diesem Prozess so vielen Ängsten und gehst so viele wichtige Schritte in Richtung Trainer, dass du es dir erlauben darfst den Höhepunkt schnell kommen zu lassen. Niemand verlangt von dir ein präzise ausgearbeitetes 5-Tages-Seminar, ein quickie genügt anfangs vollkommen.
Viele angehende Trainer fürchten sich vor ihrem ersten Seminar, weil sie Angst davor haben keinen kompletten Seminartag aus dem Ärmel zaubern zu können. Vollkommen berechtigt, denn du kannst nur aus dem Ärmel ziehen was du vorher reingesteckt hast.
Gönn dir also eine Länge, von der du sicher bist, dass du sie relativ entspannt durchführen kannst.
Damit löst du auch direkt die Angst davor auf, dass deine Teilnehmer gehen könnten. Wenn ein Seminar nur ein paar Stunden geht bleibe ich eher da, auch wenn es vielleicht nicht so spannend ist, als wenn es ein ganzes Wochenende dauert.

Preis:
Meine ersten 10 Seminartage habe ich kostenlos angeboten. Danach bin ich auf 5€/Tag gestiegen, dann auf 10€.
Es ist ok am Anfang nur für die Erfahrung zu arbeiten. Jede Seminarstunde macht dich stabiler - und wenn du mal 300 Seminarstunden auf dem Buckel hast, ist einfach alles viel entspannter. Mach dir folgendes bewusst: Wenn du eine Stunde Seminar gehalten hast, hast du mehr Seminarerfahrung als 80% aller Menschen. Wenn du 10 Stunden Seminar gehalten hast, hast du mehr Erfahrung als 85% der Menschen. Wenn du 20 Seminarstunden hast, hast du mehr Erfahrung als 90% aller Menschen. Und wenn du 100 Seminarstunden gehalten hast, bist du bei den oberen 2% dabei.
Vor allem wenn du Freunde einlädst, ist gratis ein guter Preis. Du kannst alternativ auch einfach ein Sparsuckel aufstellen und schauen was die Leute reinschmeißen - das nimmt viel Druck von dir und deinen Teilnehmern.

5. Räumlichkeiten
Ich habe meine ersten Seminare in Nebenräumen von Bars gehalten. Diese sind oft umsonst wenn man dort isst und trinkt und sind auch meistens gut zu erreichen. Die zweite Möglichkeit ist im Freundeskreis herumzufragen und die dritte, nach professionellen Seminarräumen zu suchen. Alternativ geht anfangs auch das eigene Wohnzimmer, das macht nochmals vieles leichter.
Ich kanns nicht oft genug wiederholen: Es geht beim ersten Seminar hauptsächlich um die Referenz, selbst auf der Bühne zu stehen und etwas zu präsentieren. Setz dir die Lernerfahrung als Hauptziel und mach es dir damit leichter, als wenn du tausend tolle Ergebnisse von dir verlangst.

6. Fazit
Du hast jetzt alles an der Hand, was du brauchst um ein Seminar zu halten. Du hast einen Raum, du hast dich auf den Inhalt vorbereitet, du hast ein paar Teilnehmer und weißt, dass die Angst dir dankenswerterweise einfach nur zeigt wo du dich entwickeln kannst. Jetzt heißt es: Tu es. Machs einfach, sei bereit für diese wundervolle Erfahrung und lass dich davon überraschen, wie Dankbar Seminarteilnehmer sein können und was für ein tolles Gefühl es ist, wenn am Ende alle klatschen und dir sagen, dass du gute Arbeit geleistet hast.

Was kann dich jetzt noch aufhalten? Eigentlich nur du selbst. Scheu dich nicht davor, dir Unterstützung zu holen. Hier in der Psychopragmatik gibt es viele kompetente Menschen die dir gerne die Hand reichen, wenn du dich nur meldest.

In diesem Sinne:
Viel Spaß beim Seminar! Ich freue mich auf Erfahrungsberichte!

Euer
Mark Oswald

PS: In diesem Text habe ich bewusst einige Rechtschreibfehler versteckt. Wer einen findet und hier zitiert, bekommt zur Belohnung aktive Mithilfe bei der Vorbereitung und Durchführung deines ersten Seminars.
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01 Jul 2014 01:00
Julian
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Das erste eigene Seminar - ein Leitfaden #2
Klasse Beitrag!

Was ich noch hinzufügen kann ist die Identität.
Ich habe mich lange nicht "Trainer" genannt, obwohl ich schon Seminare gemacht habe.

Einige Trainer bringen einem bei "Confidence before Competence", sprich: Man soll so tun, wie als wäre man schon, was man werden will. Für mich taugt das gar nichts, weil da steckt einfach mit drinnen, was vorzuspielen, was nicht da ist.

Genau da kam so lange meine Hemmung her, mich "Trainer" zu nennen. Dafür musste letztlich alles passen. Für mich war das Ziel also nicht "Trainer werden", sondern für mich war das Ziel stets "Seminare machen" und irgendwann habe ich rückblickend festgestellt "An sich bist Du ja Trainer, also kannst Du Dich ab jetzt auch so nennen".
;-)

Alles Liebe, Julian!

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