Schlichtungsmodell

28 Feb 2008 14:08
Axel_Wehner
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Schlichtungsmodell #1
Ich hoffe ihr verzeit mir, ich habe das Format nicht in allen Einzelheiten dargestellt um es ein wenig zu schützen...
Dank Miriam Schmelter, die sich sehr große Mühe mit dem Überarbeiten gemacht hat und sie es mir gemailt hat, bin ich nun in der Lage es euch in einer gekürzten Fassung (die immer noch lang genug ist) zu posten.

Die drei Phasen des Schlichtungsmodells:

Einstiegsphase: Einverständnis zur Vermittlung einholen, Konfliktpositionen benennen
Hauptphase: Metabedürfnisse herausfinden, Zielrahmen formulieren, Lösung finden
1. Konfliktpositionen zitieren und entscheiden, wer anfängt
Konfliktposition zitieren &à>>>Ich brauche jetzt ein paar nähere Informationen über eure beiden Positionen in diesem Konflikt. Wen kann ich zuerst befragen?<<<
  • Metabedürfnisse herausfinden, die hinter den konträren Positionen stehen
An A1 >>Was möchtest du durch eine Lösung in deinem Sinne für dich erreichen?<<
Oder >>Stell dir vor, du hättest (dein Ziel mit dem Konflikt) erreicht. Was wäre dann das Wichtige oder Schöne daran? Warum wäre das besonders gut?<<
Wichtig während Arbeit mit A1, gleichzeitig guten Kontakt zum anderen Konfliktpartner halten und auf dessen Physiologie zu achten.

Manchmal tritt bei A2 in dem Moment eine Problemphysiologie auf, in dem A1 sein Metabedüfrnis nennt. Das bedeutet: Das Wort, mit dem A1 sein Metabedürfnis bezeichnet, ist vermutlich ein negativer Anker fuer A 2. In diesem Fall A1 fragen: >> „Und was wäre das schönste Wort dafür, das auch dein Partner vertragen würde, worüber er sich vielleicht sogar freuen würde?“<<
Je nach Situation entscheiden, ob zunächst sämtliche Metabedürfnisse von A1 und anschliessend sämtliche von A2 erarbeiten oder für jede Seite das erste Metabedürfnis, dann für jede Seite das zweite Metabedürfnis, etc. erarbeiten.

Mit dem Erkunden der Metabedürfnisse fahren Sie mindestens so lange fort, bis Sie beim jeweils anderen Partner eine Versöhnungsphysiologie wahrnehmen, vielleicht eine Art Innehalten, ein Staunen oder eine „Aha“-Reaktion.
  • Zielrahmen formulieren:
>>„Die Lösung, die Ihr sucht, muss also folgendes sicherstellen:<<
Metabedürfnis 1 bis x von A1 und MB 1 bis x von A2 benennen
>>Das ist wichtig, was die Lösung können muss. Stimmt ihr mir da zu?<<

Wichtig ist, zu diesem ausgearbeiteten Zielrahmen die kongruente Zustimmung beider Partner zu bekommen.

Jede Inkongruenz in der Reaktion eines Partners bedeutet, dass dieser noch weitere Metabedürfnisse hat, die bisher nicht benannt worden sind. In diesem Fall gehen Sie zurück zu Schritt 2, um die noch fehlenden Metabedürfnisse herauszufinden. Anschliessend formulieren Sie den entsprechend erweiterten Zielrahmen und überprüfen erneut, ob Sie nun von beiden Seiten kongruente Zustimmung bekommen.
  • Kriterien für die Zielerreichung herausfinden (Evidenzprozedur)
stellen Sie mit diesem Schritt sicher, dass jede der beiden Partner eine Möglichkeit hat, für sich selbst innerlich zu überprüfen, ob etwas eine Lösung ist oder nicht.
>> „Bevor ihr jetzt anfangt, Ideen zu entwickeln, kann jeder von euch sich mal klar machen: Wie wisst ihr innerlich, ob etwas eine Lösung ist oder nicht? Was ist für euch ein klares inneres Zeichen, an dem ihr merkt, dass eine Lösung erreicht ist? Vielleicht ist es ein bestimmtes Gefühl im Körper oder eine bestimmte Art, innerlich Ja zu sagen?“<<<
  • Lösung finde, Sie bitten die Partner
  • zunächst in einer Art Brainstorming Ideen zusammenzutragen
  • dann alle ungeeigneten Ideen zu streichen, also diejenigen Ideen, die nicht sämtlichen Metabedürfnissen gerecht werden,
  • für die verbleibenden Lösungsmöglichkeiten die Vor- und Nachteile abzuwägen und schliesslich
  • die beste Lösung auszuwählen.
Falls kalibrierte Schleifen auftreten: UNTERBRECHEN! Und Relevanzprobe durchführen.
  • Relevanzprobe durchführen
Steht die kalibrierte Schleife in einem Zusammmenhang zum Problem, weitere MB erfragen!
Wenn Sie zufällig aufgetreten ist, unterbrechen und ersetzen.

Abschlussphase: Einigung besiegeln
Zielvereinbarung nochmals formulieren… mit Zitat…
>> Wenn auf die Frage: Seid ihr beide der Meinung, dass das eine gute Lösung ist, und dass ihr das so miteinander vereinbaren wollt?<<
konkruentes JA à Zielvereinbarung besiegeln à Teufelsadvokat
NEIN à weitere MB erfragen und back
  • Teufels Advokat spielen
Einen Moment noch, bevor ihr geht, lasst mich noch mal nachdenken: Was macht ihr eigentlich, wenn... Ein wirklich stark konstruierter, aussergewöhnlicher Umstand/Kontext, Komfortgrenzen überschreitend!

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14 Feb 2009 13:32
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JosefS
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Schlichtungsmodell #2
Oh, das erinnert mich auch sehr stark an Elemente aus der "gewaltfreien Kommunikation". Dazu kann ich das kleine Büchlein "Das können wir klären"
von Marshall B. Rosenberg empfehlen.

Dort steht unter anderem, wie "man" möglichst reibungslos die Werte der Konfliktparteien heraus bekommt. Auch sind sehr sinnvolle "Regeln" bezüglich Formulierung als Vermittler und als betroffene Konfliktpartei drinnen.

Weiters sind ein paar Beispiele drinnen, wie Marshall B. R. selbst Konflikte schlichtet. Seine Einstellung und sein Frame of Mind finde ich sehr interessant und teilweise durchaus wert, zu modellieren und als Ergänzung des vorgestellten Formats sehr sinnvoll.


lG
Josef

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17 Feb 2009 19:11
Chris
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Schlichtungsmodell #3
Hallo Axel,

das liest sich für mich (und mein Verständnis) sehr nachvollziehbar
und fruchtbar.

Ich habe zum Anwendungsbereich eine Frage:
Ist Dein Schlichtungsmodell erarbeitet für Personen gleicher
"Stufen" also Partner, Kollegen, Freunde oder ist es auch für
Subordinationsverhältnisse erdacht, also Abteilungsleiter /
Mitarbeiter, Vorgesetzte / Untergebene, bzw wird diese
Unterscheidung "nur" an den Metabedürfnissen fest gemacht?
Wie kann oder wird dieses die Frage "Wen kann ich zuerst befragen?"
beeinflussen oder sollte ggf. dies beeinflußt
werden.

Hältst Du es auch für bereits geschehene Konfliktsituationen, die in der
Personenzusammenstellung nicht mehr auftauchen werden, für geeignet,
wie bei einem Täter - Opfer ausgleich?

Ach ja, was sind denn "kalibrierte Schleifen"?

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18 Feb 2009 18:59
Axel_Wehner
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Schlichtungsmodell #4
Hallo Dorian

Ich kann dir leider nur recht kurz antworten, trotzdem wird alles drin sein:

Das Schlichtungsmodell lässt sich meiner Meinung nach überall dort anwenden, wo Menschen miteinander kommunizieren. Die Frage ist, welchen Auftrag du erhältst. Wenn dich ein Chef bittet mit ihm und einem "Untergebenen" zu arbeiten und du den entsprechenden Auftrag hast, warum nicht. Ich sehe dann kein Hinderungsgrund. Vielleicht kann es geschehen, dass du in dieser Sitzung den Auftrag erneuern musst und/oder die Beziehung anders definiert wird.

Wen ich zuerst befrage entscheide ich intuitiv, bzw. frage bei den Partnern nach, mit wem ich anfangen soll.

Täter - Opferausgleich, hm, ich kann mir vieles vorstellen, doch bin ich auf dem Gebiet nicht fit. Was willst du da mit dem Schlichtungsmodell erreichen? Das Täter und Opfer in Eintracht zusammen leben?
Ich würde in dieser Situation wohl eher anders vorgehen. Denn das Ziel ist in meinen Augen nicht ein zu schlichtender Konflikt, sondern einerseits, Einsicht, Reue, oder was auch immer und andererseits vielleicht Verständnis. Klar kann die Klärung der Metabedürfnisse des Täters da was bewirken, doch hatte das Opfer nun nicht zwingend Metabedürfnisse als Opfer. Das würde ja voraussetzen, es hätte sich die Opferrolle gewünscht und soweit geh ich dann wohl doch nicht mit.

Kalibrierte Schleifen:
http://www.nlp.at/lexikon/k1.htm

Alles Liebe
Axel

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25 Feb 2009 17:00
Axel_Wehner
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Schlichtungsmodell #5
Dorian wrote:


Ist Dein Schlichtungsmodell erarbeitet für Personen gleicher
...


Das hatte ich ja noch ganz vergessen, es ist nicht mein Schlichtungsmodell, es ist von John Grinder... cooler Typ übrigens, mal sehen, noch gibt es ihn persönlich zu erleben.

Alles Liebe
Axel

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