Bock auf Fleisch?

26 Nov 2007 11:50
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Ereschkigal
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Bock auf Fleisch? #13
Hallo Ihr Lieben,

gerade das Thema Fleisch stand bei mir vor kurzem auch wieder an um darüber nachzudenken.

Ich bin als Vegetarierin aufgewachsen und habe lange auch so gelebt. Ich konnte kein Fleisch kochen und konnte auch nicht in eine Metzgerei gehen, ohne das mir schlecht wurde einfach bei dem Geruch. Komischerweise hatte ich mit Fisch nie Schwierigkeiten. Irgendwann hatte ich alles Dogmatische leid und fing an auch Fleisch zu essen.

Mein Problem war aber weiterhin, daß ich es nicht im rohen Zustand ertragen konnte. Ich konnte nur fertig zubereitetes Essen. Wenn ich es selbst gekocht habe, kriege ich keinen Bissen mehr davon runter. Gleichzeitig gibt es bestimmte Gerichte mit Fleisch, die ich sehr gerne esse.

Es ist sinnvoll im Leben konsequent zu sein? Dann dürfte ich kein Fleisch essen, weil ich weder eines töten könnte noch ausnehmen und eben noch nicht mal welches kochen kann, ohne, daß mir der Appetit vergeht. Wen unterstütze ich durch mein Verhalten? Wenn ich nur fertig zubereitetes Fleisch esse, unterstütze ich die Komsiche Art Nahrungsmittel zu produzieren viel eher, als ich ich selbst mit Fleisch etwas mache.

Warum ekelt sich der Mensch vor irgend etwas?

Wenn Fleisch etc. esse und ein schlechtes Gewissen gleichzeitig habe (wie das glaube ich bei einigen im Hintergrund ist), geht es davon keinen Tier besser. Die Alternative ist meiner Meinung nach eigentlich, wenn ich nicht in die Politik gehen will, Fleisch zu essen, von Tieren die anders gehalten werden.

Es ist ähnlich wie mittlerweile in der Bioproduktion. Seit in den Supermärkten Bioprodukte verkauft werden und Menschen diese auch vermehrt kaufen, ist eine große Nachfrage danach. Die Normen sind zwar etwas verwässert, aber die Produktion ist immerhin besser als die bisherigen. Je mehr Bioprodukte gekauft werden, desto weniger wird gedüngt etc. und eben die Erde ausgebeutet. Ganz ähnlich ist es bei Fleisch. Je mehr auf die Tierhaltung, die wir kaufen geachtet wird, desto weniger Tiere werden bei uns so leben und so geschlachtet.

Das heißt nicht, daß es in meiner Macht steht, von heute auf Morgen die Produktion von Fleisch und damit auch das Leiden der Tiere zu verändern. Soche Dinge verändern sich eben entweder über die Politik oder eben über das Käuferverhalten. Doch gerade beim Käuferverhalten ist es eher so, daß steter Tropfen wirkt.

Durch grausame Bilder wurden meine Klassenkameradinnen weder vom Rauchen abgehalten noch wird man sie heute vom Fleischessen abhalten. Vielleicht gibt es einige wenige, die dadurch Vegetarier werden.

Gleichzeitig sollte man auch betonen, daß die Qualität der Lebensmittel sinkt, wenn sie möglichst billig hergestellt werden. Ein ganz selbstsüchtiger Gedanke ist dabei, wenn ich geschmacklich gute Lebensmittel essen möchte, müssen diese auf möglichst natürliche Weise wachsen oder eben ernährt werden und leben.

Nachdenkliche Grüße
Ereschkigal

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26 Nov 2007 13:22
Julian
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Bock auf Fleisch? #14
Mir kommen die "Überzeugungs-Vegetarier" recht oft naiv vor. Da Stekcen richtig viele Generalisierungen dahinter, hinter der Überzeugung, doch doch sind sie normal nicht bis in letzter Konsequenz durchgezogen.

Ein Beispiel:

In unserer Gesellschaft ist es absolut unnötig sich von Fleisch zu ernähren.Wir können alles an Nährstoffen so zu uns nehmen!


Es ist auch unnötig, Zucker zu essen, zu Rauchen, Kleidung zu tragen, Auto zu fahren und so weiter. Demokratie ist auch nicht "notwendig", es geht auch ohne, und so weiter. Viele sachen sind nicht lebensnotwendig essentiell.

Ernährungstechnisch nimmt der Organismus gemischtes Eiweiss, also vom Tier und von der Pflanze, am besten auf. Sagen zumindest einige Menschen, zu denen ich ein "relativ" hohes Vertrauen habe. Die Trennkoste sagt wieder genau das Gegenteil. Und überhaupt.

Wenn jemand mit dem "Recht auf Leben für jedes Lebewesen" anfängt, dann interessiert mich, wo er die Grenzen zieht. Ameisen? Wie sieht es aus mit einer Maus in seiner Wohnung? Was ist mit Bakterien im Körper? Viren? Wo fängt Leben an?

Andere Ebene: Ein Pferd kriegt in bestimmten Situationen einen "Gnadenschuß". Der Mensch wird am Leben erhalten, in den meisten Ländern zumindest. Von einer Herz-Transplantation bei einer Maus hab eich noch nie gehört, außer vielleicht zu Experimentalzwecken. Wo also die Linie schaffen?

Das Thema "Ethik" wie auch "Moral" oder "Menschlichkeit", all das ist von Menschen erfunden. So etwas gibt es im Tierreich nicht, es ist nicht natürlich, es ist ein Menschliches Konstrukt. Und auch der Tod hat in den verschiedenen Kulturen die verschiedensten Bedeutungen. Es ist leicht, sich in diesen philosophischen Gedankengängen zu verirren und zu verwirren.

Für mich ist die Linie (momentan) sehr klar: Da können Vegetarier noch so zicken, ich bin "auch" Fleischfresser (äh ... "Esser") und so werde ich auch Fleisch essen. Nicht viel, aber ich will eben Salami auf einer Pizza haben und hin und wieder eine Bolognese-Sauce für die Spagetti. Das schmeckt, das mag ich, also tue ich das.

Was ich jedoch definitiv ablehne ist die teilweise unfassbare Tierquälerei. Gerade kam wieder ein Bericht über Stopf-Gänse im Fernsehen ... huah ... das verdirbt mir jeglichen Appetit.

Also:

- Genug Geld für Fleisch ausgeben. Wer auf den Cent guckt, der kriegt eben auch das Fleisch, bei dem jeder Cent gespart wurde. Daß das dann mit Entzündungen durchsetzt ist die per Antibiotika in Schach gehalten wird ist klar.

- Hin und wieder die Augen aufmachen. Manches ist einfach logisch. Wenn die Eier besonders billig sidn, dann sind sie eben nicht günstig, sondern billig.

- Lippenbekenntnisse helfen gar nichts. Und auf Packungsaufdrucke hereinfallen auch nicht. Es braucht eben ein Bewußtsein. Und auch das Bewußtsein, daß das eigene gute Gewissen nunmal kein Sonderangebot ist.

Letztendlich geht es immer wieder auf´s Geld zurück. Ob Gammelfleisch oder Massentierhaltung ... das findet statt da es wirtschaftlich Sinn macht.

Übrigens lehne ich auch die ganzen Öko-Siegel ab. Bin kein Mega-Öko, bin einfach ein vernünftiger Mensch. Erstens ist es mir einfach zuwieder, wenn auf einem Apfel ein "Öko-Siegel" draufklebt. Ist zwar nur ein Tropfen auf dem Heißen STein ... aber warum zum Teufel was "Draufkleben" um zu behaupten, wie ökologisch ... nee, das ist absurd.

Zudem haben diese ganzen Siegel oft mehr wirtschaftliceh Bedeutung als tatsächliche Ökologie dahinter. Ich treibe mich nicht in Öko-Läden rum, bin kein Reformhaus-Freak, das kommt mir alles immer wieder so "Energielos" vor. Ist natürlich meine subjektive Wahrnehmung.

Alles Liebe, Julian!

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26 Nov 2007 15:55
Dirk_Christians Avatar
Dirk_Christian
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Bock auf Fleisch? #15
Das sehe ich anders:

Cinderella wrote:

Das gleiche gilkt für Milchprodukte und alles wo Milch drin ist...Schoki, z.B.


Das, was oftmals in den hierzulande verkauften "Milchprodukten" drin ist, ist keine Milch im ursprünglichen Sinne!

Was passiert, wenn ich "Rella" homogenisiere, pasteurisiere, auf 1,5% Fett reduziere und das "Produkt" den Marsianern gebe. Ist das "Rella"? Oder andersherum, was können die dann davon noch verwerten? Oder welche "Vorteile" müsste ich besonders betonen, damit die Marsianer denken, sie tun sich etwas Gutes, wenn sie das "Rellaprodukt" nehmen ....

Wer von den hier mitlesenden kennt denn wirklich den Geschmack von "echter" Milch ... direkt aus der Ziege, aus der Kuh, aus der Brust der eigenen Mutter??

Wer kennt den Geruch eines gerade eben erlegten, erbeuteten Tieres? Wer hat schon mal in den Innereien beim Auswaiden nach dem Herz mit blosen Händen gefühlt?

Wer hat in die Augen eines Tieres vor Abgabe eines Schusses geschaut oder mit eigenen Händen und einem Messer den tödlichen Stoss ausgeführt?

Da ist die Diskussion schon viel greifbarer und spannender!

Wer hat schon mal bei der Schlachtung eines Huhnes zugesehen oder hat es selbst gemacht? Wie groß ist der Unterschied im Geschmack, in der Farbe, im Geruch, in der Konsistenz und im "Wert", zB Nährwert?

Wer weiß, was "Abhängen" für eine Bedeutung hat?

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26 Nov 2007 16:05
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Ereschkigal
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Bock auf Fleisch? #16
Lieber Dirk,

also ich habe kein Verlangen selbst Tiere zu töten etc.

Aber ich kenne den Geschmack von wirklicher Milch, die ich als Kind beim Bauern geholt habe. Und wenn ich auch heute keinen Bauern habe, wenn ich Milch trinken möchte, kaufe ich Biomilch und siehe da es schmeckt nach Milch. Viele die auf dem Land leben, haben vielleicht noch die Möglichkeit direkt beim Bauern Milch zu kaufen.

Aber wenn ich zum Beispiel Dein Glas Honig vergleiche mit denen, die ich normalerweise kaufe, da liegen Welten dazwischen.

Gut bei vielen Dingen ist mein Geschmack vielleicht auch verdorben, aber es gibt bestimmte Dinge, die kenne ich frisch und real direkt aus dem Garten etc. ohne Kunstdünger ...

Wir hatten niemals Landwirtschaft und haben geschlachtet ... deshalb kann ich mich nur an das halten, was mir besser schmeckt.

Liebe Grüße und ich hoffe Deinen Bienen geht es gut
Ereschkigal
PS Ich kenne nur den Geschmack der eigenen Milch, das andere ist zu lange her. :D

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26 Nov 2007 16:12
Dirk_Christians Avatar
Dirk_Christian
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Bock auf Fleisch? #17
... und noch was:

Sicherlich hat der eine oder andere schon die vielen Schilder mit dem "Hinweis" Martinsgans oder Weihnachtsgans gesehen ....

Schon mal einfach so in ein Restaurant reingehen und nach einer Weihnachtsfeier mit 40 Personen mit Gänsekeulen fragen ... und wenn ihr die leuchtenden Augen des Chefs seht die Frage stellen: Wo kommen denn die Gänse her? ....

Ich habe schon mehrfach ganz leise gehört: "das weiß ich nicht ... da fragt keiner nach ...."

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26 Nov 2007 17:14
Steffis Avatar
Steffi
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Bock auf Fleisch? #18
"interessante" Dokumentation zum Thema (Fleisch) Essen und Produzieren von Essen

WE FEED THE WORLD - Ein Film von Erwin Wagenhofer

mir war nach Anschauen dieses Filmes zwei Tage lang schlecht...

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