Der Meerohrtaucher

07 Mai 2009 21:55
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Der Meerohrtaucher #1
Der Meerohrtaucher

Wootara und Yarrawa saßen am langsam verglimmenden Feuer, und starrten auf die immer noch glühenden Kohlen, die in der Nacht aufglommen. Das Mädchen mit neun Zehen trat in den gelben Feuerschein und setzte sich am anderen Ende des Feuers hin. Sie überkreuzte ihre kurzen, dünnen Beine und rieb ihre Hände aneinander.
“Karrabanda, meine Freunde, möge die Sonne in euren Herzen scheinen und der Mond euch mit Weisheit erfüllen.” Sie sah den beiden jungen Menschen in die Augen und fuhr fort. “Schließt eure Lippen und ich werde euch eine Geschichte über Birribirri erzählen, dem Meerohrtaucher, der sein Leben gefunden hat.”
Wootara und Yarrawa warfen einige Zweige des Teebaums ins Feuer und schlossen ihre Augen, um der Singsang-Stimme zuzuhören, die von dem Menschen stammte, von dem sie glaubten, dass sie die Geschichte der Welt kannte.

”Birribirri lebte unten in Ulladullah beim Seezugang. Er war ein Jäger des Ozeantraums und verbrachte sein Leben damit, nach Meerohrmuscheln zu tauchen. Er besaß ein kleines Boot, eine Taucherausrüstung, die etwas rostig war und ein Herz, das im Begriff war, sich von der Liebe abzuwenden. Er lebte zusammen mit seiner Frau, Barramundi. Sie hatten zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen namens Gurramulu und Babu. Er war ein guter Taucher und liebte es unter den Wellen des Pazifischen Ozeans zu arbeiten und Meerohrmuscheln vom Riff zu kratzen, um sie an den weißhäutigen Mann zu verkaufen. Jeden Morgen um sechs Uhr fuhr er hinunter zur kleinen Bucht, wo sein Boot und Jack Malu, ein Maori-Taucher, darauf warteten zu den Riffs hinaus zu segeln. An diesem Tag, dem Tag der sein Leben verändern würde, wanderten seine Gedanken während der Fahrt durch die Dünen zurück zu dem Streit, den er und seine Frau nun schon seit vielen, vielen Jahren hatten.
”’Birri, wann im Namen des Eidechsenmannes wirst Du Dein Herz öffnen? Du versteckst Dich unter einem Stein, der so kalt wie Eis ist, Du drehst meiner hungernden Seele jede Nacht den Rücken zu, Du ignorierst die Kinder und alles an was Du denkst sind Deine verdammten Meerohrmuscheln und der Wetterbericht. Wo ist der Mann, den ich vor zehn Jahren geheiratet habe? Ist er draußen am Riff ertrunken oder möchtest Du lieber Jack Malu heiraten?’
”Tränen benetzten ihre Augen und sie sah den Mann den sie liebte an und wartete auf eine Antwort, von der sie wusste, dass sie sie nie bekommen würde.
“Birribirri sah auf seine vernarbten Sandpapierhände hinunter und spürte dieses bekannte Gefühl in seiner Brust, ein Stahlband, das sich um die Muskeln seines Herzens wand und langsam sein Leben herausquetschte.”

Yarrawa öffnete ihre Augen und sagte, “Warum macht er nicht den Mund auf und sagt ihr was er denkt und fühlt, oder hat er auch seine Stimme verloren?“

”Nein, Yarrawa, meine Freundin, er hat seine Stimme nicht verloren, er verlor sein Lächeln. Fünf Jahre zuvor gebar seine Frau einen Sohn, der bald nach der Geburt starb. Zur selben Zeit starb auch seine Mutter, die er sehr liebte. Birribirri lernte danach, dass die beste Art seine Traurigkeit zu bekämpfen die war, sich zu verschließen, genauso wie seine geliebten Meerohrmuscheln, wenn sie angegriffen werden. Aber lasst mich die Geschichte weitererzählen.

”Er steuerte auf den kleinen Parkplatz zu, ging zur Rückseite des Trucks und hob den Treibstoffbehälter, der im Luftkompressor benutzt wurde, hinaus. Er konnte Jack bereits an Deck seines Bootes sehen, wie er die Körbe aussortierte. Jack sah hoch und winkte seinem Partner zu. Jack konnte an der Art, wie er die Straße überquerte erkennen, dass sich nichts geändert hatte. Sein Freund tat ihm leid und doch wurde er wütend, dass Birri sich selbst verletzte, was durch die Narben gekennzeichnet wurde, die er sich selbst in den letzten fünf Jahren zugefügt hatte.

”’Guten Morgen, Kumpel. Sieht heute nach einem guten Tag für Muscheln aus. Die Sonne steht schon hoch und alles ist bereit!’
”’ Hi, Jack, yeah, sieht gut aus. Ich hoffe nur, dass es so bleibt.’
”Er stieg an Bord und beide rollten sich eine Zigarette, und auf einem der Körbe sitzend, tranken sie ihren ersten dampfend heißen Kaffee und rauchten ihre Zigaretten in freundlicher Stille – ihr tägliches Ritual um den Tag zu beginnen.
“’Ich weiß nicht, Jack. Du bist mein bester Freund und, weißt Du, ich kann mit Dir über all das reden, was ich denke, aber wenn ich noch tiefer gehe und dort anfange, wo diese Erinnerungen begraben liegen, ist es, als wenn sich plötzlich eine Tür schließt und dann sind da nur noch Schatten.’
”’Du hast recht, Kumpel. Barramundi hat aber auch recht. Jedes Mal, wenn ich die Tür zu meinen Gefühlen öffne, trete ich einen Schritt zurück, und bei jedem Schritt zurück, scheine ich immer weiter von ihr fort zu gehen. Ich sehe ja, dass ich ihr und den Kindern wehtue, aber ich scheine einfach keine Kontrolle darüber zu haben.’

”’Nun ja, Kumpel, ich denke Dein Problem ist, dass Du zuviel Kontrolle hast. Du musst lernen all den Schmerz loszulassen und all die Dinge, die Du in Dir trägst.’
”Birribirri sah zu seinem Freund hinüber. Als er sein tätowiertes Gesicht und die leuchtenden, pechschwarzen Augen sah, fühlte er einen Strahl von Wärme tief in seinem Herzen, aber er trat den glimmenden Funken aus, der nur darauf wartete, sich zu entfachen, warf seine halbgerauchte Zigarette ins Meer und startete die Motoren. Sie segelten langsam aus dem geschützten Hafen in das offene Meer hinaus.
”Die Sonne berührte nun die Felsen der Moruya Heads, und tauchte die Kliffs in rote und orange Reflektionen. Die Stille, die die beiden Männer umgab, wurde manchmal von den Möwen unterbrochen, die sich gegenseitig zuriefen, an der Magie eines neu anbrechenden Tages teilzunehmen. Die Meeresgischt spielte am Bug des kleinen Fischerbootes und verwandelte sich in Regenbogen, die aus den sanften azurblauen Wellen auftauchten.
‚Wir sind fast da, Birri. Du kannst Deinen Taucheranzug schon anziehen. Vergiss nicht, den neuen Filter in den Generator zu schrauben.’
”Zwanzig Minuten später kamen sie am Riff an.
”’Okay, Jack, lass uns heute die Outer Banks versuchen. Letzte Woche gab es da eine Menge Muscheln.’ Er stieg in seinen Taucheranzug und überprüfte alle Ventile, um sicher zu gehen, dass alle Verschlüsse fest zugeschraubt waren. Jack half ihm mit dem Helm und schloss den Luftschlauch an. Er schaltete den Kompressor an und signalisierte Birribirri, in dem er zweimal auf den kupferfarbenen Helm klopfte, dass er zum Tauchen bereit war. Birribirri kletterte über die Reling auf die Tauchplattform und ließ sich in das warme, einladende Gewässer seines geliebten Pazifiks hinab. Wie immer fühlte er sich fast sofort, als käme er nach Hause. Die kristallklare Trübung der Sonne, die durch die Wasseroberfläche schien lud ihn ein, einem Lichtpfad hinunter zu den Riffbänken zu folgen, wo die Meerohrmuscheln darauf warteten los geschnitten zu werden und in den Korb gelegt zu werden, den Jack nun an einem Seil hinunter ließ.
”Er konnte jetzt den Korb sehen, der im weißen Sand lag und darauf wartete, gefüllt zu werden und bald berührten seine Stiefel den sandigen Meeresboden und eine Dunstwolke von Sand stieg vom Boden auf. Ein paar Sekunden lang war er blind, aber bald schon blickte er auf die bunten Riffs, die mit den ovalen Meerohrmuscheln bedeckt waren. Er ging zu dem Ort hinüber, der für den Anfang am Besten war und dachte über das Wunder dieser Muscheln nach. Von außen braun und schwarz, mit Seegras bedeckt und kleinere Muscheln, hässlich und langweilig, die aber wenn sie geöffnet wurden, eine wunderschöne Bildwirkerei zeigten, die als Mutter der Perle bezeichnet wurde. Er nahm sein Messer aus der Hülle, die an sein Bein gebunden war und stieß die Spitze sanft unter den fleischigen Teil der ersten Meerohrmuschel, das Messer weiter unter den starken Muskel drückend, der die Muschel am Riff hielt, bis er fühlte, dass die Muschel nachgab. Er griff, die Meerohrmuschel, als sie begann im Wasser zu treiben, legte sie in den Korb und schloss den Deckel. Bald schon fand er seinen bekannten Arbeitsrhythmus und nach einer halben Stunde hatte er einen vollen Korb. Er zog zweimal am Seil und signalisierte Jack, den Korb an die Wasseroberfläche zu ziehen und den nächsten nach unten zu lassen.
“Er arbeitete methodisch, wie in einer hypnotischen Trance. Er fühlte sich eins mit seiner Arbeit und wurde fast ein Teil des Ozeans, spirituell mit einer fremden Welt verbunden, die ihn als Freund willkommen hieß und nicht als einen Fremden. Als er auf seine Taucheruhr sah, merkte er, dass er vierzig Minuten lang gearbeitet hatte – es war an der Zeit, eine Pause zu machen. Er zog am Seil, um Jack wissen zu lassen, dass er ihn nun wieder zum Boot hochziehen konnte. Er konnte Jacks Gesicht durch das Glas des Helms sehen. Er sah besorgt und angespannt aus.

”’Birri, das Wetter hat gedreht, da kommt eine Wolkenwand aus dem Westen auf uns zu. Das kann nur bedeuten, dass ein Sturm aufkommt.’
”’Ich glaube wir haben noch Zeit für einen Tauchgang, Jack. Ich habe gerade ein noch nicht geerntetes Riff gefunden. Sagen wir zehn Minuten Pause und dann nur noch einen Tauchgang. Danach können wir umkehren.’
”’Ich weiß nicht, Kumpel, Du bist der Boss, aber mach nur einen dreißigminütigen Tauchgang anstatt vierzig Minuten und dann lass uns nach Hause abhauen.’
”Birribirri trank noch einen Becher Kaffee und rauchte eine Zigarette. Er konnte sehen, wie sich der Himmel verdunkelte und er sah einige Blitze am Horizont. Die Dünung fing an rau zu werden, aber das alles änderte seine Meinung nicht. Jack versuchte, ihm den zweiten Tauchgang auszureden, aber Birribirri war fest entschlossen, noch mal hinab zu tauchen.

“Als er den Meeresgrund zum zweiten Mal an diesem Tag berührte, konnte er die Veränderung der Ströme spüren und er wusste, dass dies ein Zeichen war, dass der Sturm sich anbahnte und dass er nicht hier unten sein sollte, zwanzig Meter unter dem Meer, aber dennoch interessierte es ihn nicht. Es war fast so, als ob er die Gefahr genoss, den Tod einladend zu ihm zu schwimmen und ihn in der Dunkelheit zu verschlucken. Er fing an, die Meerohrmuscheln vom Riff zu schneiden, aber er merkte bald, dass er Kopfschmerzen bekam und dass ihm schwindelig wurde.
”’Mist’, dachte er. ’Irgendwas stimmt nicht mit der Luftversorgung, ich bekomme nicht genug Sauerstoff.’ Verzweifelt zog er an dem Seil in der Hoffnung, dass Jack ihn schnell genug hochziehen würde. Und dann – wurde alles schwarz.
”Oben an der Wasseroberfläche hatte Jack schon bemerkt, dass etwas nicht stimmte. Der Generator hatte vor ein paar Minuten angefangen zu husten und zu stottern und dann erstarb er. Er fing an, Birribirri hochzuziehen und betete zu Watimurri, dem Maori-Gott des Ozeans, dass er es überleben würde.”

”Ist er gestorben?“, fragte Yarrawa, und hatte schon Tränen in ihren Augen. Wootara kämpfte dagegen an, seine Gefühle zu zeigen – ein Jäger des Stammes Ulluru weint nicht.
”Wir werden sehen, meine Freunde. Schließt eure Augen wieder und wir werden zurückkehren zu der Geschichte die eine Veränderung brachte.

”Jack konnte jetzt die Kupferkuppel von Birribirris Helm unterhalb der Wellen erkennen und mit einem kräftigen Ruck zog er seinen Freund in das Boot. Als er den Helm schnell abschraubte konnte er sehen, dass Birri nicht atmete: sein Gesicht war blau angelaufen. Er verschloss Birrbirris Nase und begann mit der Mund-zu-Mund-Beatmung und drückte mit aller Kraft auf seine Brust, wo er das Herz unter dem Taucheranzug vermutete. Er hatte fast zwei Minuten lang versucht Birribirri wiederzubeleben, aber für ihn fühlte es sich wie zwei Stunden an, dann – plötzlich, würgte sein Freund Meerwasser hoch und fing an zu husten. Jack drehte Birribirris Kopf zur Seite und zog zur gleichen Zeit seine Zunge hinaus. Birribirri nahm einen tiefen Atemzug und öffnete seine Augen.

“’Jesus, Kumpel, was zur Hölle ist passiert?’ er spuckte noch mehr Wasser aus und versuchte, sich aufzusetzen.
”’Der Generator hat den Geist aufgegeben, der Filter war blockiert. Hast Du ihn heute Morgen nicht gewechselt?’
”Nein, ich habe es vergessen. Jesus, ich wäre da unten fast gestorben und Du hast mir gerade das Leben gerettet. Das werde ich Dir niemals vergessen, mein Bruder.’
”’Keine Zeit für Sentimentalitäten - der Sturm ist bereits über uns. Wir müssen umdrehen und zurück nach Hause segeln.’
“Die Wellen waren jetzt mehr als zwei Meter hoch und weiße Gischt wurde von den Wellenhügeln geblasen, während der Wind durch die Takelage heulte. Es fing an zu regnen und das kleine Boot kippte auf die Steuerbordseite. Die Körbe, die mit der Ernte des Tages befüllt waren rutschten über die Reling ins Meer. Jack startete den Motor und Birribirri nahm das Steuer und fing an, das Boot in die Wellen zu drehen. Er konnte die Küste durch den niederprasselnden Regen nicht sehen, aber mit Blick auf den Kompass drehte er das Steuerrad und steuerte nord-westlich. Er drückte den Fahrhebel auf volle Kraft und Jack versuchte weiterhin, alles festzubinden.

“’Da stimmt was nicht mit dem Motor!’, schrie er über den heulenden Wind hinweg. ’Ich kann nicht genügend Fahrt aufnehmen.’ Dann hörten sie ein lautes Krachen. Jack und Birri starrten einander an, beide wurden blass. ’Das Ruder ist abgebrochen. Ich kann es nicht steuern!’
Jack versuchte das Funkgerät zu benutzen, aber alles was er hören konnte, waren statische Geräusche und das Kreischen des Windes. Beide Männer suchten nach einem Seil und banden sich selbst an die Reling. Der Himmel war nun pechschwarz und die Wellen waren mehr als fünf Meter hoch. Birribirri sah über die Seite des Bootes und konnte das Wasser über das Deck rauschen sehen. Er war sich sicher, dass das Boot sinken würde und dass er und sein bester Freund sterben würden.
Jack versuchte dorthin zu gelangen, wo Birri stand, aber er spürte, wie seine Füße über das nasse, ölige Deck rutschten. Er fiel und sein Kopf traf hart auf das Teak-Deck. Er war bewusstlos.
”’Jack, verlass mich nicht. Steh auf, um Himmels willen, Jack!’
Aber Jack bewegte sich nicht. Birribirri sah hinaus auf das tosende Meer. Und er fing an zu weinen.
’Birribirri, hier bin ich. Öffne Deine Augen und Du wirst Dich ändern.’
Er sah hinunter zum Meer und konnte einen weißen Delphin erkennen, der auf das Boot zu schwamm.

“’Ich bin Watimurri, der Geist des Ozeans. Dein Freund Jack hat mich gerufen und ich bin hier, um Dir ein neues Leben zu schenken.’

Birribirri starrte auf den Delphin hinab, der mühelos neben dem Bootsrumpf schwamm. Er konnte seinen Augen nicht trauen und dachte, er wäre schon gestorben und würde mit einem Engel des Meeres sprechen.

“’In der Vergangenheit hast Du viel Schmerz und Traurigkeit erlebt. Menschen, die Du sehr geliebt hast, sind gestorben. Aber Du hast vergessen, dass es Menschen in Deinem Leben gibt, die noch leben und Deine Liebe brauchen, die Liebe, die Du ihnen verwehrt hast, wie Dir selbst. Es ist an der Zeit, Dein Herz zu öffnen und zu lernen, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit fallen zu lassen. Dies ist Dein Weg und Deine Herausforderung des Lebens. Lerne, Deine Gefühle und Emotionen zu zeigen, ob sie nun Wut, Traurigkeit, Liebe oder Freude sind, und Dein Leben wird sich ändern und Du wirst Dein Lächeln wieder finden.’

“Birribirri sah in die braunen Augen des Delphins. Er stotterte, ‘Aber wie kann ich ein Leben voller Freude führen, nachdem ich meinen Sohn und meine Mutter verloren habe, und jetzt auch noch Jack? Vielleicht sollte ich auch sterben.’

”’Aber, Birribirri, warum denkst Du, dass Du Deine Lieben verloren hast? Woher weißt Du, dass sie nicht mehr existieren?’

”’Sie sind gestorben, sie wurden beerdigt und sind fort und ich werde sie nie, nie wieder sehen.’
”’Lass mich Dir ein Geheimnis verraten, Mann des Meeres. Solange Du Dein Herz offen hältst und Dein Gemüt und Dein Geist freundlich und mitfühlend sind, anstatt gefüllt mit Verzweiflung und Selbsthass, wirst Du immer mit dem Geist der Menschen verbunden sein, die Du geliebt hast. Das ist das Gesetz des Eidechsenmannes, dem Schöpfer der Welt. Wenn Du Dein Herz verschließt, kann Dich niemand je erreichen. Nicht einmal Deine Frau, nicht einmal Deine Kinder, nicht einmal Dein bester Freund. Dann bist Du so verschlossen, wie die Muscheln, die Du jeden Tag erntest, Muscheln, die man nur mit einem scharfen Messer öffnen kann.’

Birribirris Tränen flossen nun, zusammen mit dem Wasser, das in sein Gesicht spritzte. Er konnte die Veränderung in seinem Herzen fühlen, fast so, als hätte jemand die abschnürenden Stahlbänder drum herum durchschnitten.

’Und noch etwas, Mann des Meeres. Dein Freund ist nicht der Einzige, der mich gerufen hat. Dein Kind und Deine Mutter, von denen Du dachtest Du hättest sie verloren und sie würden nicht mehr existieren, haben mich zuerst herauf beschworen, damit ich zu Dir komme. Kann jemand, den Du verloren hast und der nicht länger existiert wissen, dass Du Hilfe brauchst, damit Du lernst Dich für das Leben anstatt für den Tod zu entscheiden?’

Dann lachte der Delphin und verschwand unter den Wellen.
”Birribirri drehte sich zu Jack, der immer noch bewegungslos an Deck lag. Er dachte, dass er sah wie er seine Beine bewegte und dann öffnete sein bester Freund seine Augen. Jack kroch zu Birribirri hinüber und sie legten ihre Arme um einander und weinten zusammen. Sie merkten nicht, dass der Regen nicht mehr auf ihre zusammengekauerten Körper fiel, sie fühlten nicht die Wärme der Sonne, die durch die Wolken schien, alles was sie fühlten war die Liebe zu einander und die Freude am Leben zu sein.”

Das Feuer ging langsam aus und die drei Aborigines saßen still und starrten auf die flackernden Kohlen. Das Mädchen mit neun Zehen war die Erste, die sprach.
”An dem Tag kehrte Birribirri zu seiner Familie als veränderter Mann zurück. Er hatte gelernt, wie man sein Gemüt öffnete und seinen Geist lebte. Er sprach nie ein Wort darüber, was während dieses furchtbaren Sturms passiert ist, außer mit seinem Freund Jack. Sie tauchen immer noch nach Meerohrmuscheln und Birribirri schwört, dass er jedes Mal wenn er taucht, den Schatten eines Delphins entlang des Riffs schwimmen sieht und jedes Mal wenn er ihn sieht, wandern seine Gedanken zu den Menschen, von denen er dachte, er hätte sie für immer verloren, die er aber noch einmal wieder gefunden hat.
”Gebt diese Erzählung weiter an eure Kinder, Wootara and Yarrawa. Es ist eine Geschichte über die Hoffnung und den Glauben an die Macht der Liebe. Und was immer in eurem Leben passiert, welche Nöte euch auch konfrontieren und versuchen, euch kaputt zu machen, erinnert euch an den Meerohrmuscheltaucher und folgt eurem Herzen.“
Und dann verschwand sie in einer Rauchwolke.

”Wow! Das war eine gute Geschichte“, sagte Wootara, und wischte sich die Tränen aus seinen Augen, die natürlich nur vom Rauch des Feuers kamen.
”Yeah, sie ist eine gute Erzählerin. Es ist nur schade, dass sie in der Traumzeit lebt und dass sie uns nur besucht, wenn sie uns etwas beibringen möchte. Ich frage mich, wann wir sie wiedersehen werden.“
Das Feuer ging langsam aus, aber die beiden Kinder blieben am Feuer sitzen. Sie konnten die Grillen immer noch im Gras zirpen hören und die gedämpften Geräusche der Menschen, die im Camp erwachten. Ein sanfter, roter Dunst berührte den Horizont und die Dunkelheit der Nacht verwandelte sich dramatisch in einen neuen Tag, gefüllt mit Licht und dem Wunder des Lebens.

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11 Mai 2009 20:26
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Der Meerohrtaucher #2
hab ich fast vergessen zu sagen.. ist von mir geschrieben!,-)

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11 Mai 2009 22:17
Deadaluss Avatar
Deadalus
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Der Meerohrtaucher #3
Hochachtung...das ist Fantasie

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12 Mai 2009 22:31
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Der Meerohrtaucher #4
vielen dank deadalus;-)

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