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Thema: Das Bewerten und besser sein zu wollen

  1. #1
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    Das Bewerten und besser sein zu wollen


    Der aktuelle Konflikt im Georgien - ein klassisches Verhaltensmuster von uns Menschen. Hier ein Auszug aus meinem Manuscript zum Buch "Zum Glück nur Aids - Krisen als Chance" zum Thema Bewerten, Ego und besser sein zu wollen:

    Bewerten, vergleichen, besser sein –
    Pro und Contra

    Wie die meisten Dinge im Leben hat alles zwei Seiten.
    Pro und Contra.

    Pro
    „Irren ist menschlich“ Ein Zitat des Kirchenvaters Sophranius Eusebius Hieronymus (347 – 419 n. Christus). Gedacht als Beschreibung des menschlichen Seins und seiner fortwährenden Anpassung an seine sich verändernde Umwelt. Wie eh und je speichert der Mensch in seinem Bewusstsein Erfahrungen, mit denen er neue Situationen bewertet und vergleicht. Vieles davon ist bereits in uns evolutionär gespeichert. Es hilft uns, um Gefahrensituationen, auch neue, schnell und im Zweifel intuitiv zu bewältigen. Die Frage ist also, bewerte ich, um mich vor einer Gefahr zu schützen? Wenn das der Fall ist, benutze ich das Bewerten als ein in mir existierendes Instrument, evolutionär, erlernt oder gewonnen durch Erfahrung, in dem Sinne, wie es gut für mich ist.

    Dem Bewerten und Vergleichen folgt die Frage, wer oder was ist „besser“? Unbestritten entspricht es der Natur des Menschen, einen gesunden Ehrgeiz zu haben. Es ist O.K. wenn sich Menschen wie Hillary Clinton oder Barrack Obama für ein Präsidentenamt bewerben und sich vor den Wählern als der jeweils „Bessere“ verkaufen. Es ist O.K., wenn Sportler bei der Olympiade dank ihres Trainings, Ihrer Anstrengung, ihrer Leistung, ihres Einsatzes gewinnen wollen und sollen. Es ist der Antrieb und Ehrgeiz, seine Leistung zu steigern; Neues zu entdecken.
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    Der Mensch ist das mit Abstand intelligenteste Wesen auf diesem Planeten. Mit einer Intelligenz, die uns mehr und mehr entdecken lässt. Im Universum, im Kosmos, in der Physik, in der Chemie, in der Biologie, in der Medizin. In allen Bereichen entlocken wir der Schöpfung mehr und mehr an Geheimnissen und erforschen die Zusammenhänge. Dank unseres Antriebes und unseres Ehrgeizes kommen wir den Dingen immer mehr auf die Spur und steigern uns zu gewaltigen Leistungen. Das ist fantastisch.

    Contra
    Die Kehrseite vom Bewerten und des Vergleichens ist das Abwerten. Meist überheblich und besserwisserisch. „Ich habe doch immer gesagt, die Politiker sind alle korrupt“, „die Manager haben keine Moral“, „wenn der Klinsi die Bayern trainiert, das gibt nichts“.

    Warum neigen wir so gerne dazu, alles und jedes abzuwerten?

    Es ist mein Ego, bewusst oder unbewusst, das stets bemüht ist, Recht zu haben. Es glaubt, seinen Standpunkt, muss es verteidigen, beweisen und rechtfertigen. Es will gewinnen. Am liebsten „gegen“ den anderen, aber nicht mit dem anderen. Es meint, zu verlieren bedeutet den Tod. Das ist ein Muster, eine Prägung, die wir uns schon im frühesten Kindesalter zulegen und über Generationen meistens unreflektiert weiter geben. Wenn es um „mein“ Spielzeug geht, „meinen“ Besitz, „meinen“ Titel, „meinen“ Posten, „meinen“ Glauben, „meine“ Moral, „meinen“ Standpunkt, „mein“ Land.
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    Das „besser sein zu wollen“ erhebt uns über den anderen und wertet ihn damit ab. Mein Ich ist bestrebt, sich fortwährend durch Abgrenzung geradezu zwanghaft zu definieren. Es braucht die Bewertung, um sich zu unterscheiden. Es ist seine Strategie zum Überleben. Andernfalls befürchtet es den Tod. Im nächsten Schritt wollen wir „Recht“ haben. Auch hier verbirgt sich Angst. Die Angst zu verlieren. Und was heißt verlieren? In letzter Konsequenz wieder die Angst vor dem Tod.

    Es geht hier nicht um Kommunismus. Uneingeschränkt positiv ist die Leistung, deren Anstrengung sich FÜR mein Leben, für meine Erfüllung, für meine Freude einsetzt. Und nicht GEGEN etwas. Wer seinen Erfolg „gegen“ Mitstreiter erreichen will, wird scheitern. Mercedes wird nicht „besser“, wenn es Audi oder BMW in den Konkurs treibt. Überleben wird der, der aufgrund seiner eigenen Leistung besser ist, aber nicht der, der den anderen in den Abgrund stößt. Auch dieser Irrtum ist so alt wie die Menschheit.

    Im Beruf, unter Kollegen, in der Firma, ist die Beteiligung an abwertender Rederei der absolute Karriereblocker, wenn nicht sogar der Einstieg zur Warteliste in die nächste Kündigungswelle. Das gilt auch für zynische oder ironische Bemerkungen, die ohnehin mehr ein Hinweis auf persönliche Defizite sind, als auf eine besondere Intelligenz (ich war früher ein Meister in solchen Bemerkungen). Gut beraten ist, wer es schafft, sich konsequent jeglicher Bewertung zu enthalten. Und sei sie noch so berechtigt. Wir wissen nie, was den anderen dazu gebracht hat, so oder so sich zu verhalten. Welche Nöte, welche Ängste oder was auch immer ihn bewegt haben. Sei Opportunist und bleib bei dir. In dir gibt es genug zu tun.
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    Die Unsitte, alles und jeden zu bewerten, ist so alt wie die Geschichte der Menschheit. Wir finden sie in allen Medien, in den Schlagzeilen, beim Kaffeklatsch, in Kneipenrunden und Stehkonvents. Was bedeutet es zu bewerten? Was ist Gut oder Böse - Recht oder Unrecht? Wer befindet darüber? Was ist richtig, was ist falsch? Mein Nachbar, der sich scheiden ließ? Eine Frau, die ein Leben lang an ihrer unglücklichen Ehe festhält? Männer mit homosexueller Veranlagung oder sich zu ihrer Liebe bekennende Lesben? Gläubige Christen, die Kriege gegen das vermeintlich Böse führen? Kriege für das Gute? Saudis, weil sie Öl haben?

    Vom „Recht“ zu haben ist es nur ein kleiner Schritt zum Aufbauen eines Feindbildes. Da, wo ich Recht habe, muss es zwangsläufig jemanden geben, der „Unrecht“ hat.

    So entsteht ein Feind. Im Kleinen wie im Großen. Innen wie Außen. Hier finden wir die Ursache aller negativen Emotionen, wie Streit, Feindschaft, Hass, Rache, Vergeltung - bis hin zum Krieg.

    Ist es nicht erstaunlich, wie schnell die Welt, nach dem Niedergang des Kommunismus, sich ein neues Feindbild aufgebaut hat? Das kollektive Ego strebt ebenso nach Feinbildern, wie das individuelle Ego. Eine Welt ohne Gegner. Es war leider nur ein kurzer Traum. Dann kam es wieder durch, das Abgrenzen, das Bewerten, die Machtansprüche usw.

    Wir rasen durch die Zeit, schneller und immer schneller. Äußere Veränderungen sind so rasant, dass wir ihnen kaum folgen können. Um ein inneres Verhalten dagegen zu ändern, braucht es viel, viel Zeit. Ein hohes Maß an Einsicht und wahrscheinlich einen enormen Leidensdruck.

    Ralf Jantzen.

    Wer mehr lesen möchte, dem schicke ich gerne eine Pdf Datei (112 Seiten) . Bitte mail an ralf.jantzen@t-online.de

  2. #2
    Kronjuwelenmitglied DeMike genießt hohes Ansehen DeMike genießt hohes Ansehen DeMike genießt hohes Ansehen DeMike genießt hohes Ansehen DeMike genießt hohes Ansehen DeMike genießt hohes Ansehen DeMike genießt hohes Ansehen DeMike genießt hohes Ansehen DeMike genießt hohes Ansehen DeMike genießt hohes Ansehen DeMike genießt hohes Ansehen Avatar von DeMike
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    AW: Das Bewerten und besser sein zu wollen

    pi pa po

    Wenn das Bewerten und besser sein wollen keine individuellen Vorteile hätte wäre die Welt nicht so überschwemmt davon. Unter dem Strich muß die Wirkung also nützlich sein.

    Die einzige Frage die sich mir dabei stellt ist was läßt sich daraus und um wieviel besser läßt es sich machen? Und wann folgt der erste Schritt.
    Aloha loe nui (Hawaiianisch für: Ganz viel Liebe) ...zum HUNA-Forum

    Michi

  3. The Following User Says Thank You to DeMike For This Useful Post:

    ralf jantzen (21. August 2008)


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